Anwenderbericht: PSImetals im Einsatz bei ArcelorMittal Dofasco

Systemumstellung in neuer Dimension

Um ArcelorMittal Dofasco’s Ziele bezüglich Umlaufkapital und Kosten direkt zu unterstützen, ist eine effiziente und effektive Produktions- und Terminplanung sowie Auftragsdurchsetzung wichtig. Vor der Einführung von PSImetals wurden diese Funktionen durch viele computergestützte Manufacturing Execution Systeme (MES) abgedeckt, die über die Jahre entwickelt wurden. Obwohl diese Systeme stabil liefen und akzeptable Funktionalität boten, waren sie im Zusammenspiel unflexibel und erreichten kaum das Niveau effizienter Geschäftsprozesse, welche für die Auftragserfüllung in der Stahlindustrie notwendig sind.

Die oben beschriebene Situation führte im Ergebnis zu überhöhten Beständen an Fertigmaterial und Halbfabrikaten, unnötigen Materialbewegungen und wiederholtem Umrüsten der Anlagen, einer eingeschränkten Integration von aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten, einer reduzierten Sichtbarkeit von Materialeigenschaften sowie erhöhten Aufwendungen zur Verteilung von Prozessvorgaben.

Verschiedene Ansatzpunkte für Verbesserungen waren gegeben. PSImetals mit seinen auf die Stahlindustrie abgestimmten MES-Funktionen wurde eingesetzt, um bestehende Einschränkungen zu überwinden und Verbesserungspotenziale zu erschließen.

Das Herz der Produktion

Das neue Produktionsmanagementsystem plant und steuert alle Anlagen in Kaltwalzwerk und Adjustage sowie alle externen Fremdfertiger. Mit den im Einsatz befindlichen Komponenten PSImetals Planning, PSImetals Quality und PSImetals Production ist das planerische Know-how vollständig hinterlegt und umfassende Funktionen zur Planung, Steuerung und Überwachung von Kaltwalzwerk und Adjustage integriert. PSImetals deckt alle Funktionen eines Level 3-Systems ab und bildet das Rückgrat der gesamten IT-Infrastruktur in der Produktion. In dieser Position ist das neue System integraler Bestandteil der neuen IT-Landschaft und ein wichtiges Werkzeug im Produktionsprozess von ArcelorMittal Dofasco.

Besser und schneller

Mit der Einführung des neuen Produktionsmanagementsystems wurden signifikante Verbesserungen in allen Bereichen von Produktion, Geschäft und Informationstechnologie angestrebt. Wichtigste Ziele waren für

Geschäft & Produktion:

  • Die Abbildung aller produktionsrelevanten Geschäftsprozesse über eine einheitliche Produktionsplanung und -steuerung,
  • Eine höhere Transparenz, Flexibilität und Geschwindigkeit bei den Planungsprozessen
  • Die Reduzierung der Lagerbestände.

Informationstechnologie:

  • Die Vereinfachung der IT-Systemlandschaft,
  • Die Verbesserung der Datenqualität über die Umsetzung des Single- Source of Record – Prinzips mittels Einführung eines zentralen, durchgängigen Fabrikmodells,
  • Die komfortable zeitgemäße Interaktion zwischen Nutzer und System.

Der Kunde von Anfang an im Boot

Das System wurde in enger Zusammenarbeit zwischen ArcelorMittal Dofasco und PSI Metals an die speziellen Bedürfnisse angepasst und in Betrieb genommen. Das Projekt folgte dem in der Branche bewährten Ablauf aus Pflichtenheftphase, Systemdesign, Realisierung und Implementierung.

Um ArcelorMittal Dofasco frühzeitig die Möglichkeit einer Einflussnahme und Ergebniskontrolle zu geben, stellte PSI während der Implementierung ein Testsystem in verschiedenen Ausbaustufen zur Verfügung. Projektteam und Key- User konnten so in einer frühen Phase ihre Erwartungen mit den Funktionen der zukünftigen Lösung abgleichen. Die Implementierungsphase wurde mit einem Software-Acceptance-Test unter zahlreicher Beteiligung von ArcelorMittal Dofasco in Deutschland abgeschlossen.

Quelle: ArcelorMittal Dofasco
Systemumstellung von alt auf neu bei ArcelorMittal Dofasco: Ein glückliches Team mit dem ersten, über das neue Produktionsmanagemensystem produzierten Coil.
Quelle: ArcelorMittal Dofasco

Von alt nach neu

Eine große Herausforderung stellte die Einführung des neuen Backbone in eine bestehende Systemlandschaft und laufende Produktion dar. „Die IT-Landschaft bei ArcelorMittal Dofasco war im Laufe der Zeit gewachsen und umfasste zum Zeitpunkt des Projektbeginns etwa 140 Systeme/Programme, die an der Produktionsplanung, -steuerung oder -auswertung beteiligt waren.“, berichtet Thomas Vieweg, Projektmanager bei PSI Metals in Deutschland und verantwortlich für die PSImetals-Einführung bei ArcelorMittal Dofasco. „Mit PSImetals haben wir 35 Systeme komplett abgelöst, bei ca. 60 Systemen wurden die Schnittstellen angepasst. Wir mussten also vorrangig Vertrauen schaffen, dass eine Umstellung in dieser Dimension machbar ist und dies ohne lange Produktionsunterbrechungen“ erklärt Thomas Vieweg weiter. ArcelorMittal Dofasco arbeitete mit der indischen Firma WIPRO Technologies als MES-Systemintegrator zusammen. WIPRO war für die Integration der Altsysteme verantwortlich. Damit fand die Projektabwicklung in drei Staaten, drei Zeitzonen und mit einer Zeitdifferenz von maximal 11,5 Stunden statt. Neben der logistischen Herausforderung bei der Planung von Telefon- oder Videokonferenzen ermöglichte der Zeitunterschied aber auch das zeitversetzte Arbeiten rund um die Uhr.

Integrierte Fertigungsabläufe

Die komplette Integration sowohl zu Legacy Systemen, zur Level-2-Ebene, zur Transportsteuerung und die Anbindung der Fremdfertiger via EDI wurde von WIPRO mit PSIintegration, dem EAITool von PSI, realisiert. Obwohl das Datum für eine SAP-Einführung noch nicht feststeht, sollte das neue MES für eine spätere SAP-Einführung vorbereitet sein. PSImetals gewährleistet dies, da es als Powered by SAP NetWeaver zertifiziert ist und zahlreiche Integrationserfahrungen aus anderen Kundenprojekten vorliegen.

Um ArcelorMittal Dofasco einen reibungslosen Übergang in die neue Welt zu ermöglichen, wurden sämtliche in den Altsystemen existierende Daten als aktive Materialien mit Materialeigenschaften, Produktionsdaten und der kompletten Historie automatisch in PSImetals übernommen. Diese aufwendige Datenmigration wurde in enger Zusammenarbeit zwischen ArcelorMittal Dofasco, WIPRO und PSI realisiert.

Produktiv mit dem neuen System

Eine wichtige Entscheidung stellte die Art der Inbetriebnahme dar. Sowohl eine phasenweise Umstellung als auch ein Big Bang (hier als Systemumstellung innerhalb von 7 Tagen) wurden diskutiert. Um die komplexe Integration einer phasenweisen Inbetriebnahme zu minimieren, entschied ArcelorMittal Dofasco sich für die Big Bang-Variante. Nach zwei Tagen Datenmigration wurden innerhalb von fünf Tagen sowohl die PSImetals Lösung als auch alle Schnittstellen (Level-4-Systeme, Labor, Transportmanagement, Decision Support Environment (DSE system), alle 22 Level-2-Systeme sowie die Fremdfertiger) ohne größere Probleme in Betrieb genommen. Das erste Coil wurde termingerecht mit dem neuen System produziert.

Für die Zukunft gerüstet

Mit PSImetals als Produktionsmanagementsystem hat DOFASCO heute eine Lösung, die klassische MES-Funktionen bereit stellt. Das System wurde flexibel in die bestehende Systemlandschaft eingepasst und stellt das Rückgrat der neuen IT-Landschaft dar.

Autor: Thomas Vieweg, Project Manager, PSI Metals GmbH

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